Pro Infirmis und das Spiel mit dem werbewirksamen Stigma

Die Pro Infirmis ist eine Organisation, die sich einmal pro Jahr bei mir, pünktlich zu Weihnachten meldet. Ich kriege dann ein buntes Prospektli, auf dem ein schwer behindertes, fröhliches Kind abgedruckt ist.

Natürlich ist in der Korrespondenz, die die Pro Infirmis mit mir unterhält, immer ein Einzahlungsschein enthalten. Das tun natürlich auch andere. Ballenberg, beispielsweise. Aber im Gegensatz zu Pro Infirmis spricht Ballenberg nicht meinen Mutterinstinkt an.

Ich arbeite mit Menschen mit einer Behinderung.
Ich brauche zu meiner Erbauung keine Organisation wie Pro Infirmis. Diese gibt nämlich ein zerrissenes Bild der Realität wieder. Behinderte Menschen sind in deren Werbung immer bedürftig. Ohne Hilfe (ohne Geld) geht gar nichts. Das Thema Selbstbestimmung taucht gar erst nicht auf. Schliesslich ist dieses auch nicht vermarktbar an Weihnachten.

Der neueste Werbeclip von Pro Infirmis handelt derweil nicht von behinderten Menschen, sondern erschliesst ein neues Gebiet der Organisation: der Mensch mit einer psychischen Erkrankung.
Hier wird ein Bild des Menschen mit Depression gezeigt, dass es einer Sau graust. Ein Mann sitzt da. Gefühllos. Um ihn herum pulsiert das Leben, derweil er wie Gemüse dasitzt. Er erinnert mehr an Stromae in Papaoutai denn an einen lebendigen Menschen.

Nicht nur mir ist der Clip sauer aufgestossen.
In meinem Umfeld leben mehrere Menschen mit schweren Depressionen. Aber keiner ist derart gefühllos und leer, wie im Werbeclip dargestellt. Im Gegenteil. Die mir lieben Menschen zeichnen sich durch grosse Sensibilität aus. Sie verdienen es nicht, so negativ und abwertend dargestellt zu werden.

Pro Infirmis betreibt hier Stigmatisierung (sprich: Ausgrenzung) von Betroffenen. Somit ist Pro Infirmis für mich definitiv keine Organisation, die sich für Betroffene, sondern nur für den eigenen Sinn und Zweck einsetzt.

Marie Baumann hat auf ivinfo die Situation analysiert und gibt in klaren Worten wieder, was Pro Infirmis in den sozialen Medien treibt. Es ist kein schönes Zuschauen.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s